Die Messlatte liegt sehr hoch
Fragt man Asientouristen, so sagen sie meist, dass Singapur ein guter Einstieg in die Materie Asien sei. Warum sollte es dann bei uns anders sein, die wir bislang Asien nur beim „Bösen Chinesen“ im Düsseldorfer Hafen erlebt haben. Nach all den Natureindrücken aus Südamerika, Neuseeland und Australien ist es an der Zeit einmal zu sehen, was die Menschen so architektonisch geleistet haben. Die Messlatte von Mutter Natur liegt allerdings nach den bisherigen Eindrücken sehr hoch.
8 Stunden Flug von Sydney haben uns in nem Billig-Flieger aus 11 Grad und Winterjacken-Style in 32 Grad und Flip-Flop Wetter gebracht; die Verkehr bleibt allerdings auf der für uns „falschen“ Seite. Also „look right“, wenn man als Fussgänger die Straße überquert.
Singapur selbst hatten wir vor unserer Reise noch gar nicht so richtig wahrgenommen. „Gehört das jetzt zu Malaysia oder wovon ist das die Hauptstadt?“ Fakt ist, Singapur ist schon seit 1962 unabhängig von England und seit 1965 unabhängig von Malaysia, die zwischenzeitlich eine Föderation bildeten. Direkte und einzige Grenze des 5,5 Mio. Einwohner fassenden Insel-Stadtstaates besitzt Singapur mit Malaysia. Dies hätte damals in der Erdkundeklausur wohl zumindest ein: Du warst immerhin recht nah dran gegeben. Na ja, wieder was dazugelernt.
Friedliches Multi-Kulti
Ein aus unserer Sicht durchaus bemerkenswerte Tatsache ist, dass sich Singapur den historisch-ethnischen Luxus leistet, 4 Amtssprachen zu besitzen.
– Englisch (Kolonial begründet)
– Tamil (unglaublich viele Inder hier)
– Chinesisch (bilden die größte Bevölkerungsgruppe)
– Malayisch (mit geografischer Nähe und Historie begründet)
Dies ist besonders bei Durchsagen in den öffentlichen Verkehrsmitteln sehr unterhaltsam, man stelle sich das mal bei der Deutschen Bahn vor, die mit „Thänk ju vor trevveling“ ja schon Ihre liebe Mühe hat.
Aber nicht nur Sprachen und Menschen leben hier friedlich nebeneinander, sondern auch die dazugehörigen Religionen, von denen wir uns nicht mal trauen, alle diversen Ableger zu nennen:
Hindu-Tempel neben einer Moschee, genauso wie buddhistische Tempel. Schön zu sehen, dass dies auch funktionieren kann. Sich eine Moschee samt Spiegelreflex und leicht bekleideter Frau im Schlepptau von innen anzuschauen, ist natürlich nicht möglich.
Little India
Somit haben wir unseren indischen und absolut unterhaltsamen Freunden in Little India einen Besuch abgestattet. Schuhe und Socken aus, Frau einen bunten Rock umgebunden und ab ging es. Heilige Kühe, die einen als Figuren von oben herab angeschaut haben, waren aber nicht die einzigen skurrilen Dinge dort. Alles irgendwie bunter als in unseren westlichen Tempelanlagen der katholischen und evangelischen Kirchen.
Diese Multi-Kulti Eindrücke spiegelten sich natürlich nicht nur in den Religionen wieder sondern auch im Stadtbild. Little India mit seinen vielen kleinen Elektro-Shops, Indisch-Curry Restaurants und vieler anderer kleiner Läden.
China Town
China Town hingegen war absolut so, wie man es erwartet hatte und aus anderen Städten wie New York kennt. Kaum war man aus der Metro Station, die passender Weise auch Chinatown hieß, ausgestiegen, so war man schon inmitten von Lampions und vieler kleiner bunter Läden.
Die 32 Grad sind hier aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit schnell mal gefühlte 37 Grad und so haben wir uns schnell noch einen der leckeren frisch gepressten Säfte für 1-2 Euro geholt. Man bekommt einen einlaminierten Zettel mit Bildern von vielen verschiedenen Früchten, auf eine zeigen und in ca. 1 Minute hat man nen 0,4L Plastikbecher in der Hand, der oben mit Folie verschlossen wurde und in die nur in die Mitte ein Strohhalm gepiekt wird – viel Plastikmüll, aber klecker-sicher 🙂
Judiths Favorit: Guave; meiner ist Melone.
Fortbewegung in Singapur hatten wir uns eigentlich ganz leicht vorgestellt. Die Hauptsehenswürdigkeiten sind alle in einem 5km Radius um unser Hotel. Also entspannt zu Fuß zu bewältigen…..diese Meinung haben wir am ersten Tag nach rund 3h Bewegung bei 34 Grad (gefühlt 40 aufgrund der extremen Luftfeuchtigkeit) abgelegt und uns direkt ein 3 Tages-Touristen-Ticket für Busse und Metro geholt. Die Preise mit rund 12 Euro pro Person für 3 Tage durchaus fair. Insgesamt ist der öffentliche Nahverkehr hier absolut super ausgebaut.
Die Stadt wirkt sehr geplant und man steuert die Anzahl der Autos in der Innenstadt durch einzelne Stadtzulassungen, die jeweils nach einigen Jahren auslaufen. Das muss man dann auch beim Autokauf beachten. Die Zulassungen sind kostentechnisch auch nicht ohne – haben beim warten auf die Wäsche mit nem US-Expat gequatscht – um 50.000$ kostet der Spass – und dann eben noch das Auto der Wahl. So gilt das Auto hier als absolutes Statussymbol und man zeigt gerne was man hat: Porsche 911, 7er BWM, Audi A8 – hier landen also unseren ganzen deutschen Oberklasse Limousinen, die in Deutschland aufgrund des Preises nur noch als Dienstwagen verkauft werden können. Ohne Auto haben wir dann allerdings lieber die gut klimatisierte Metro genommen und uns über diverse Shoppingmalls zu den Sehenswürdigkeiten vorgearbeitet. Absolutes Must-see hier:
Marina Bay Sands
Wir hatten ja als Ziel für uns ausgemacht, einmal zu sehen, was der Mensch so erschaffen kann. Beindruckend. Rund 6 Mrd. € sind in dem Projekt Marina Bay Sands insgesamt versenkt worden. Eine komplette Insel voller Luxus und architektonischer Raffinessen. Marina Bay Sands selbst ein Hotel mit rund 2.500 Zimmern, bei Preisen ab 500€ aufwärts. Theater, Museum, Konferenzbereich, eigenes Casino, Shoppingmall….
Und über allem thront in der 57. Etage ein Bar- Restaurant- Poolbereich. Leider ist der Infinity-Pool nur den zahlenden Hotelgästen vorbehalten, der Barbereich lässt sich allerdings relativ leicht mit angemessener Kleidung und dem nötigen Bargeld für die Getränke betreten. Was hier natürlich nicht fehlen durfte, war der obligatorische Singapur-Sling über den Dächern von Singapur.
Wieder unten noch etwas mehr downtown
Am Hafenbecken entlang gibt es noch mehr zu sehen. Die Verbindung zum Marina Bay Komplex zu Fuss führt über eine Fussgängerbrücke, die der DNA-Helix nachempfunden ist – sieht schick aus und der Blick zur anderen Seite lohnt sich.
Wir gehen heute aber rechts herum zur anderen Seite des Hafenbeckens. Dort steht das Wahrzeichen der Stadt, der Merlion – eine Figur, die zur Hälfte Löwe und zur Hälfte Fisch ist; die Stärke des Löwen und die Verbundenheit mit dem Meer repräsentierend.
Wir schaffen es, vor dem größten Touri-Ansturm ein paar Fotos zu schießen und suchen im Anschluss einen Schattenplatz – es sind heute wieder gute 35 Grad – also langsam bewegen. Ein Blick ins Portemonnaie sagt: nächster Stopp Geldautomat. Sollte kein Thema sein; auf der anderen Seite der Hauptstraße sind zig riesige Bankgebäude und Hotels. Aber wie kommen wir rüber? Wir fahren eine Rolltreppe nach unten und denken, wir kommen einfach durch eine Unterführung. Allerdings stehen wir auf einmal in der untersten Etage eines schicken Hotels neben Koi-Karpfen und edel gekleideten Menschen, die entweder zur Familie gehören, die den ersten Geburtstag des Nachwuchses im Hotelkonferenzraum feiert oder zu der Hochzeitsgesellschaft, die sich über die ganze Lobby verteilt – wir sehen den Saal – gemietet von 10:00-16:00Uhr – ne kurze Geschichte hier scheinbar. Ein kurzer Blick an uns herunter: abgewetzte Sneaker, durchgeschwitzte Shirts und Rucksack – wir suchen schnell den Concierge und erkundigen uns nach dem nächsten Geldautomaten. Danke.
Was sind eigentlich Super Trees?
Eine weitere achitektonische Errungenschaft, die schon von oben von der Rooftop Bar aus absolut beeindruckend aussieht, sind die sogenannten Super Trees. Unserer Meinung nach die Antwort auf fehlende natürlich gewachsene Vegetation innerhalb der Riesenmetropole oder auch einfach nur ein weiterer Touristenmagnet innerhalb der gesamten Area.
Die Stahlkonstruktionen in „Baumform“ selbst sind mit Pflanzen angelegt, die sich langsam aber sicher den Weg nach oben suchen. Entsprechende LED-Lampen und integrierte Lautsprecher lassen jeden Abend gegen 20:00 Uhr die Bäume innerhalb einer riesen Licht- und Musikshow erwachen. Als wir dort sind, läuft eine 70s-Retro-Show mit BeeGees, Beatles etc. Wir fanden es zwar sehr touristisch aber absolut beeindruckend und sehenswert. Dies konnten wir uns sowohl von oben als auch unterhalb der Bäume anschauen. Einfach nur krass.
Rund um die Bäume ist ein super weitläufiges Parkgelände angelegt, welches wiederum von 9 kleineren Themenparks umgeben ist. Daneben reihen sich die beiden Tropenhäuer. Die Karte hier gibt einen groben Überblick über die komplett künstlich angelegte Oase:
Yamy Yamy – Durchsnacken deluxe
In einer Stadt mit so vielen kulturellen Einflüssen findet sich das natürlich auch im Essen wieder. Indisches Curry, Sushi, chinesische Teigtaschen, Udon-Suppe….Hier nur mal ein paar kleine optische Eindrücke. Bis auf ein paar Kleinigkeiten alles absolut essbar und sehr lecker. Mal sehen, was wir hiervon noch einmal Zuhause nachgekocht bekommen.
@Ania und Daniel von Geh mal reisen: besten Dank für den Tipp!
Wie ihr seht, hat uns das Thema Essen hier sehr beschäftigt und wir hätten definitiv noch viel mehr testen können.
Ein Highlight im nächsten Flieger mit Korean Airlines übrigens auch das Essen – haben wir direkt mit Anleitung bekommen 🙂
Hier geht es lang zur kompletten Bilder-Galerie unserer Singapur Fotos: Fotos Singapur
Damit verabschieden wir uns jetzt in die Offline-Welt der Mongolei, wo unsere 16-tägige Tour am 04. Juli startet.
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